Ordination
MR Dr. Wolfgang Ziegler

Arzt für Allgemeinmedizin - Gemeindearzt

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Berufsbild §49 Untersuchungen Schulungen Führerschein-Unters.

BERUFSBILD

1. Zieldefinition der arbeitsmedizinischen Tätigkeit

Ausgangsbasis für das Berufsbild bildet folgende Definition des Ziels der Arbeitsmedizin, die sowohl der Perspektive der Wissenschaft als auch der Praxis Rechnung trägt:

"Ziel der Arbeitsmedizin ist es, mit dem Einsatz entsprechenden Fachwissens und entsprechender Mittel die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern. Somit dient sie dem Nutzen von Mitarbeiter und Unternehmer.

Aufgabe der Arbeitsmedizin ist es,

  • gesundheits- und leistungsrelevante Faktoren im betrieblichen Geschehen zu erkennen,

  • in ihrer Auswirkung auf den Menschen und den betrieblichen Ablauf zu bewerten,

  • Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln, umzusetzen bzw. deren Umsetzung zu veranlassen und

  • deren Effizienz zu kontrollieren

  • sowie individuelle Gesundheitsstörungen hinsichtlich ihrer möglichen arbeitsbedingten Ursachen abzuklären.

Die Arbeitsmedizin handelt auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und psychosozialer Kompetenz. Bei der Umsetzung ihrer Erkenntnisse im Betriebsalltag berücksichtigt sie physische, psychische und soziale Einflüsse im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise."

Dass hier erstmals der Begriff "Leistungsfähigkeit" in eine Definition des Faches Arbeitsmedizin Eingang gefunden hat, erklärt sich aus der Tatsache, dass eine reduzierte Leistungsfähigkeit in der Regel ein Indiz für die negative Wirkung eines Einflussfaktors auf den Mitarbeiter ist.

In der Erhaltung und Förderung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter besteht die Dienstleistung des Arbeitsmediziners und der Nutzen für das Unternehmen. 

2. Positionierung des Arbeitsmediziners

Dieses Berufsbild beschreibt primär das Tätigkeitsprofil des Arbeitsmediziners, dessen Aufgabe es ist, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der arbeitenden Menschen zu erhalten und zu fördern.

Basierend auf ihrer Definition und Aufgabenstellung ist die Arbeitsmedizin die Präventivmedizin schlechthin.

Primäre Aufgabe des Arbeitsmediziners ist, dafür zu sorgen, dass Menschen durch Arbeit nicht krank werden bzw. ihre Leistungsfähigkeit verlieren.

Der Arbeitsmediziner muss seine Tätigkeit als umfassende und professionelle Dienstleistung im Betrieb positionieren, kommunizieren und leben. Seine Tätigkeit steht im Dienste aller Beteiligten im Betrieb, von seiner Kompetenz profitieren Mitarbeiter und Unternehmer.

Dies erfordert vom Arbeitsmediziner adäquate Verhaltens- und Umsetzungsstrategien. Er muss ein umfassendes Leistungsspektrum anbieten und darf sich nicht darauf beschränken, bestehende Mängel aufzuzeigen.

Für einen produktiven Beitrag der Arbeitsmedizin zum Gesamterfolg eines Betriebes ist die Übereinstimmung zwischen angebotener Leistung des Arbeitsmediziners und der Erwartungshaltung des Unternehmens von großer Bedeutung. Die Vereinbarung von Zielen ist – abgesehen von absoluten Minimalzielen, die in der Regel per Gesetz definiert sind – daher immer ein konsensualer Vorgang zwischen Unternehmen und Arbeitsmediziner. 

2.1. Entwicklungspotential

Die mögliche Bandbreite der Leistungen der Arbeitsmediziner der Zukunft entspricht in etwa folgendem Stufenplan: 

Management v. Humankapital, Erhaltung und Förderung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit durch Identifikation eines erweiterten Feldes gesundheits- und leistungsbeeinflussender Faktoren, Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und berufsbedingten Erkrankungen auf Basis "traditioneller" Einflussfaktoren. 

Ein Teil der Arbeitsmediziner wird sich auch weiterhin mit der Basis, sprich der Vornahme von gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen und der Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten befassen.

Dabei werden die "traditionellen" Einflussfaktoren auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, wie z.B. Arbeitsstoffe oder Arbeitsmittel, relevant für seinen Handlungsbedarf bleiben.

Der Großteil der Arbeitsmediziner wird sich in Zukunft jedoch verstärkt auch mit Faktoren befassen, die bisher kaum in Zusammenhang mit der Tätigkeit eines Arbeitsmediziners gebracht wurden: so führen beispielsweise Organisationskultur und Managementsysteme oder neue technologischen Entwicklungen in zunehmendem Maß vor allem zu mentalen Belastungen und Beanspruchungen.

Der Arbeitsmediziner ist aus seinem ganzheitlichen Verständnis für den "Produktionsfaktor Mensch" der Experte zur Betreuung, Erhaltung und Förderung von "Humankapital" und daher prädestiniert, die interdisziplinäre Funktion eines "Managers von Humankapital" zu übernehmen.

Je näher der Arbeitsmediziner an der Basis der Pyramide tätig ist, um so eher ist analytisches Tiefenwissen um spezifische Arbeitssituationen vonnöten, je näher er sich an der Pyramidenspitze positioniert, um so mehr muss systemisches, interdisziplinär vernetztes Breitenwissen um das Unternehmen Fundament seines Handelns sein. 

2.2. Voraussetzungen

Formale Voraussetzungen für die arbeitsmedizinische Tätigkeit sind das ius practicandi als Arzt für Allgemeinmedizin oder als Facharzt eines Sonderfaches und zusätzlich die Absolvierung des gesetzlich vorgeschriebenen arbeitsmedizinischen Grundlagenlehrgangs an einer Akademie für Arbeitsmedizin, der auch Bestandteil der Ausbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin ist.

Bei einigen der geschilderten potentiellen Aufgaben eines Arbeitsmediziners handelt es sich um interdisziplinäre Tätigkeiten, die über rein ärztliche Handlungen hinausgehen. Soweit der Arbeitsmediziner in seiner Tätigkeit den ärztegesetzlichen Rahmen überschreitet, sind die entsprechenden Berufsgesetze zu beachten.

Weitere Voraussetzung ist das arbeitsmedizinische Fachwissen, das in der Ausbildung erworben und durch laufende Fortbildung auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Über formale und fachliche Vorbedingungen hinaus ist das Vorhandensein bestimmter persönlicher Eigenschaften ebenfalls Voraussetzung für eine erfolgreiche arbeitsmedizinische Tätigkeit.

Der Arbeitsmediziner braucht Verständnis für die technologischen und ökonomischen Zusammenhänge sowie soziales Engagement.

Für jeden Arbeitsmediziner, der Leistungen anbietet, die über den Bereich der traditionellen Arbeitsmedizin hinausgehen - in noch viel höherem Ausmaß jedoch für einen Manager, der im Bereich Entwicklung von Humanressourcen tätig wird -, sind Kenntnisse und Fähigkeiten in den interdisziplinären Bereichen Arbeitsorganisation, Wirtschaftspsychologie, Organisations- und Personalentwicklung etc. unumgänglich. 

2.3. Kompetenz

Unter "Kompetenz" sind in diesem Zusammenhang zwei unterschiedliche Dinge zu verstehen:

  • Wissen und Fertigkeiten = persönliche Kompetenz (was "kann" der Arbeitsmediziner?)

  • Position und Handlungsspielraum innerhalb des Unternehmens = formale Kompetenz (was "darf" der Arbeitsmediziner?)

Der Arbeitsmediziner muss sowohl über fachliche als auch über soziale Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen, er braucht jedoch auch Kreativität in der Lösung von Problemen und insbesondere die Fähigkeit zur Umsetzung seiner Ziele und Maßnahmen.

Wie viel an persönlicher Kompetenz der Arbeitsmediziner im Betrieb einsetzen kann, wird davon beeinflusst, wie viel Handlungspouvoir an ihn delegiert wird.

Die Stellung des Arbeitsmediziners im Betrieb muss ihm jedenfalls den direkten Zugang zu allen arbeitsmedizinisch relevanten Informationen und zu den maßgeblichen Entscheidungsträgern ermöglichen. 

2.4. Verantwortung

Die Verantwortung des Arbeitsmediziners ist sowohl unter dem Aspekt des hippokratischen Eides als auch der rechtlichen sowie der persönlichen Verantwortung gegenüber dem Auftraggeber zu sehen.

In den rein medizinisch-ärztlichen Handlungen ist er weisungsfrei und absolut eigenverantwortlich. Er unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. In Erfüllung anderer gestellter Aufgaben ist die Verantwortung abhängig vom Ausmaß der vom Auftraggeber delegierten Kompetenzen. 

3. Grundlage der arbeitsmedizinischen Tätigkeit – Modell der Einflussfaktoren

Ausgangspunkt für die weiteren Ausführungen ist die Tatsache, dass jeder Mitarbeiter bestimmten Faktoren ausgesetzt ist, die seine Leistung bzw. seine Gesundheit beeinflussen, so genannte "Einflussfaktoren". Diese Faktoren können entweder klassische Schadstoffe sein, wie bestimmte Chemikalien, oder aber auch solche, die primär zu mentalen Belastungen führen, wie z.B. Kommunikationssysteme.

Diese Faktoren können bei unterschiedlicher Intensität bzw. Expositionsdauer entweder nur oder auch Leistung bzw. Gesundheit beeinflussen.

Wird die Arbeitsmedizin auf gefährdungsspezifische Handlungen reduziert, so dient sie ausschließlich der Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und berufsbedingten Erkrankungen. Das arbeitsmedizinische Handlungsspektrum ist jedoch wesentlich breiter. Es basiert nicht nur auf gesundheitlichen Gefährdungen, sondern setzt bereits bei leistungsmindernden Einflussfaktoren auf Physis und Psyche des Mitarbeiters an.

"Arbeitsstoffe", "Arbeitsmittel", "Arbeitsorganisation" und "Arbeitsumfeld" sind Faktoren, mit denen sich die Arbeitsmedizin in traditioneller Weise beschäftigt. Die "neuen" Aspekte der Arbeitsmedizin "Organisationskultur", "Führungssystem" und "Informationstechnologie" wurden dagegen bisher vernachlässigt, da sie nicht unmittelbar zu physischen Gefährdungen führen. Längerfristig gesehen können jedoch auch diese durchaus zu körperlichen Erkrankungen führen. Jedenfalls haben sie wesentlichen Einfluss auf die psycho-mentale Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Im Zentrum der Betrachtung steht der Mitarbeiter, auf den die Faktoren einwirken, der jedoch auch selbst – aufgrund seiner persönliche Eigenschaften, Kenntnisse, Fähigkeiten, physischen und psychischen Leistungsvoraussetzungen - einen Einflussfaktor darstellt.

Das System der Einflussfaktoren bildet die Basis für die Definition des Leistungsspektrums der Arbeitsmedizin, denn jede arbeitsmedizinische Handlung resultiert letztendlich aus dem Vorhandensein bestimmter Einflussfaktoren bzw. deren Kombinationswirkung im jeweiligen Betrieb. 

4. Die arbeitsmedizinische Tätigkeit

4.1. Grafische Darstellung des Prozessablaufs

Trotz der Verschiedenartigkeit der einzelnen arbeitsmedizinischen Handlungen ist es möglich, diese Vielfalt auf einen einzigen Prozess zu verdichten und in einem allgemeinen Prozessablauf darzustellen: siehe dazu „Berufsbild des Arbeitsmediziners“ auf der Homepage der Akademie für Arbeitsmedizin (www.aam.at) 

4.2. Instrumentarium

Der Erfolg des arbeitsmedizinischen Handlungsprozesses wird wesentlich von einem Instrumentarium mitbestimmt, das mit jedem Handlungsschritt untrennbar verknüpft ist, nämlich Kommunikation, Kooperation und Dokumentation.

4.2.1. Kommunikation

Die Fähigkeit zur Kommunikation auf unterschiedlichsten Ebenen und in aus verschiedensten Anlässen entstehenden Situationen ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg der arbeitsmedzinischen Tätigkeit.

Ein Arbeitsmediziner muss gänzlich anderen Kommunikationsmustern folgen als er es aus den "klassischen" medizinischen Umfeldern Krankenhaus bzw. Ordination gewohnt ist:

  • Er hat es im Gegensatz zum Umgang mit Patienten, in der Regel mit gesunden Menschen zu tun.

  • Eine Zusammenarbeit mit Vertretern unterschiedlicher nichtmedizinischer Fachrichtungen ist erforderlich, eine Auseinandersetzung mit interdisziplinärer Terminologie ist daher unausweichlich.

  • Je nach Unternehmenskultur herrschen in jedem Betrieb unterschiedliche Kommunikationssysteme vor.

Der Aufbau eines funktionierenden Kommunikations- und Informationssystems ist gefordert.

4.2.2. Kooperation

Das Eingehen von Kooperationen ist im Komplex "Unternehmen" absolut unumgängliche Voraussetzung für eine effiziente Arbeit, da der Betrieb als Gesamtes eine bestimmte Leistung erbringt.

Die unterschiedlichen Kooperationsmöglichkeiten und –formen sind vom jeweiligen Betrieb und den agierenden Personen bzw. zu bewältigenden Aufgaben abhängig. Jedenfalls sind sie eng mit der Kompetenz (im Sinne von "Handlungsspielraum") des Arbeitsmediziners und der Kooperationspartner verbunden.

4.2.3. Dokumentation

Die Dokumentation begleitet jeden Handlungsschritt des Arbeitsmediziners. Abgesehen von der gesetzlichen Verpflichtung zur Dokumentation dient sie ebenso der Festlegung von Zielen und ist letztendlich auch Basis für die arbeitsmedizinische Qualitätskontrolle. 

4.3. Beschreibung des arbeitsmedizinischen Prozessablaufs

Prozessauslösende Ereignisse

Die Spirale des arbeitsmedizinischen Prozessablaufs beginnt sich zu drehen, wenn eine Interessensgruppe (Unternehmer, Mitarbeiter, Behörde etc.) diesen Prozess auslöst.

Folgende Ereignisse können prozessauslösend wirken:

  • Aufnahme der arbeitsmedizinischen Tätigkeit

  • Änderung bei den Einflussfaktoren

  • Auftreten von Erkrankungen, wenn der begründete Verdacht besteht, dass sie arbeitsbedingt sind

  • Auftreten einer Leistungsminderung

  • Unfälle

  • sonstige Umstände oder Ereignisse, die auf eine negative Auswirkung auf Sicherheit, Gesundheit oder Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter schließen lassen

1) Identifikation der Einflussfaktoren

Der Arbeitsmediziner eruiert, welche Einflussfaktoren4 auf Leistung und Gesundheit der Mitarbeiter im jeweiligen Betrieb vorhanden sind. Dies ist eine "qualitative" Erhebung der Einflussfaktoren.

Sie erfolgt in der Regel durch persönliche Wahrnehmung der Arbeitsplatzverhältnisse vor Ort sowie durch Gespräche mit anderen Fachleuten (Sicherheitsfachkräfte etc.) und den Mitarbeitern. Dabei holt der Arbeitsmediziner Informationen über Arbeitsorganisation, Arbeitsumfeld, Arbeitsmittel etc. ein. Er ergänzt diese Informationen durch Einsichtnahme in vorhandene oder Beschaffung neuer Unterlagen.

2a) Analyse der identifizierten Einflussfaktoren

Nach Feststellung der Art der vorhandenen Einflussfaktoren analysiert der Arbeitsmediziner die quantititative Ausprägung der identifizierten Einflussfaktoren.

Dies erfolgt z.B. durch Messungen physikalischer Größen, Schadstoffkonzentrationen etc. bzw. durch Fragebögen und standardisierte Interviews oder andere persönliche Gespräche zur Erhebung psycho-mentaler Faktoren.

Anschließend bewertet der Arbeitsmediziner die identifizierten und analysierten Einflussfaktoren; d.h., er beurteilt, inwieweit die vorhandenen Einflussfaktoren Leistung und Gesundheit beeinflussen können, und entscheidet, ob die Intensität und Dauer der Einwirkung des jeweiligen Einflussfaktors weitere arbeitsmedizinische Handlungen erforderlich machen. Entscheidungsgrundlage ist ein Vergleich zwischen den betriebsspezifischen Analyseergebnissen mit anerkannten Standards

2b) Analyse des Leistungspotentials des Mitarbeiters

Nach Feststellung von Art und Ausprägung der vorhandenen Einflussfaktoren bzw. der möglichen Auswirkungen auf die Mitarbeiter untersucht der Arbeitsmediziner die individuellen körperlichen und psycho-mentalen Voraussetzungen der von den jeweiligen Einflussfaktoren betroffenen Mitarbeiter, und ermittelt damit das Leistungs- bzw. Risikopotential.

Dazu führt er arbeitsmedizinische Untersuchungen (z.B. funktionsdiagnostische Untersuchungen, ärztliches Gespräch) durch. Damit erhebt er einen aus fachlicher Sicht objektiven physischen und psycho-mentalen Beanspruchungsstatus des Mitarbeiters. Dabei hält er auch die subjektive Beurteilung des Mitarbeiters fest.

2c) Überprüfung der Kongruenz von Anforderungs- und Leistungsprofil

Aufgrund der in Schritt 2 a) und 2 b) erhobenen Parameter beschreibt der Arbeitsmediziner Kongruenz (Übereinstimmung) bzw. Diskrepanz (Abweichung) zwischen dem aufgrund der am Arbeitsplatz vorhandenen Einflussfaktoren bestehenden Anforderungsprofil und dem Leistungsprofil des jeweiligen Mitarbeiters.

Die Bewertung erfolgt auf Basis seiner fachlichen und sozialen Kompetenz.

3) Erarbeitung eines Grobkonzepts zur Festlegung zu erreichender Ziele

Sollte der Arbeitsmediziner eine Diskrepanz zwischen Anforderungs- und Leistungsprofil festgestellt haben, definiert er konkrete Ziele zur Erhöhung der Kongruenz. Er führt eine Grobplanung der zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen durch.

Bei der Maßnahmenplanung geht er folgendermaßen vor: Zunächst zielt er auf eine Ausschaltung des jeweiligen Einflussfaktors ab. Ist dies nicht möglich, strebt er eine Reduzierung des Einflussfaktors an. Ist auch dies nicht oder nur eingeschränkt möglich, sieht er Maßnahmen, die dem persönlichen Schutz des Mitarbeiters bzw. der Förderung und Entwicklung seiner individuellen Ressourcen dienen, vor.

Bei der Zielfestlegung müssen gesetzliche Vorschriften befolgt werden, und es dürfen gesetzlich festgelegte Mindeststandards nicht unterschritten werden. Bei der Definition eines über die gesetzlichen Regelungen hinausgehenden Stufenplans von Zielen bis hin zu Optimalzielen fließt die Berücksichtigung von wissenschaftlichen Standards und der unternehmensspezifischen Rahmenbedingungen ein.

4) Präsentation von Erhebung, Bewertung und Grobkonzepten

Abgestimmt auf die jeweiligen Gesprächspartner entwirft der Arbeitsmediziner eine Präsentation, die als Grundlage für die Entscheidungsträger dient. Dabei beschreibt er die Erhebungsergebnisse, zeigt die angestrebten Ziele auf, begründet diese in fachlicher Hinsicht und präsentiert die Lösungsansätze, die zur Zielerreichung dienen sollen.

5) Zielvereinbarung

Im Rahmen der Diskussion der Präsentationsinhalte legt der Arbeitsmediziner gemeinsam mit den Entscheidungsträgern das zu erreichende Ziel sowie die notwendigen organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen fest.

6) Erarbeitung eines konkreten Maßnahmenkatalogs und Umsetzung

Auf Basis der Zielvereinbarung konkretisiert der Arbeitsmediziner die Maßnahmen, nimmt den Auftrag zu deren Umsetzung entgegen und setzt sie situations- und zielgruppenorientiert um.

7) Bewertung der Wirksamkeit der Maßnahmen

Der Arbeitsmediziner kontrolliert laufend die planmäßige Umsetzung und die Wirksamkeit der beschlossenen Maßnahmen. Im Falle von Abweichungen schlägt er Korrekturmaßnahmen vor.

8) Kontinuierliche Verbesserung

Der Arbeitsmediziner überprüft, ob es Maßnahmen gibt, die Grundlage für weitere Verbesserungen sein können. Je nach Ergebnis dieser Prüfung beginnt ein neuer Prozess beim entsprechenden Aufgabenschritt.

4.4. Qualität der arbeitsmedizinischen Tätigkeit

Qualität ist ein Begriff der im allgemeinen Sprachgebrauch die hervorragende Güte eines Produktes oder einer Dienstleistung bezeichnet. Die Assoziation mit ausgezeichneter Leistung ist allerdings im Zusammenhang mit der wissenschaftlich abgesicherten und in der Praxis bewährten Qualitätslehre nicht zutreffend.

Im Sinne der Qualitätslehre versteht man unter "Qualität" die Fähigkeit eines Produktes, eines Prozesses etc. bestimmte, vorher vereinbarte oder vorausgesetzte Anforderungen zu erfüllen.

Im Kapitel 4.3. wurde dargestellt, wie der Prozess der arbeitsmedizinischen Tätigkeiten abzuhandeln ist. Der gesamte Prozessablauf ist Gegenstand der Qualitätssicherung. Zentraler Punkt ist in diesem Zusammenhang der Schritt 5) "Zielvereinbarung".

Durch die Instrumente der Qualitätssicherung werden die Leistungen des Arbeitsmediziners jenseits von Gesetzen nutzenorientiert argumentiert. Erwartungen klären - Vereinbaren – Durchführen – Überprüfen. Das sind die Elemente der Qualitätssicherung – auch in den arbeitsmedizinischen Tätigkeiten im Betrieb.

Für die arbeitsmedizinischen Tätigkeiten im Unternehmen bedeutet das, dass eine Zielvereinbarung zwischen Arbeitsmediziner und Unternehmen erfolgen muss. Nur wenn die erbrachte Leistung mit den vorher vereinbarten Zielen übereinstimmt, kann von "Qualität" gesprochen werden.